Kurze Geschichte des burgenländischen Volksliedwerks

Die frühesten Sammlungen von musikalischem und literarischem Volksgut reichen in das 19. Jahrhundert zurück. Damals gehörte das Burgenland noch gar nicht zu Österreich, sondern war ein Teil Deutschwestungarns.

Forscherpersönlichkeiten wie Karl Julius Schröer (Mundart und Volksschauspiel), Bischof Michael Haas (Volkserzählung), Remigius Sztachovics (Liederhandschriften, Hochzeitslieder), Johannes Ebenspanger (Mundartdichtung, Lied) oder der Haus- und Erzählforscher Johann Reinhard Bünker hatten bereits umfangreiche Sammelarbeiten geleistet, auf die man bei der Gründung eines burgenländischen Arbeitsausschusses des Österreichischen Volksliedunternehmens im Jahr 1927 aufbauen konnte.

Das oberste Ziel war damals die Sammlung von überlieferten Liedern und Tänzen. Dazu führte man 1929 ein Preisausschreiben durch, aus dem Karl Liebleitner, Adalbert Riedl und Karl Horak mit ihren zahlreichen Aufzeichnungen als erste Preisträger hervorgingen.

Adalbert Riedl, dem späteren Direktor des burgenländischen Landesmuseums, ist es zu verdanken, dass das Sammelgut durch so bedeutende Volkskundler wie Leopold Schmidt oder Karl Magnus Klier in exemplarischer Weise publiziert wurde.

Karl Horak gilt als bedeutendster Sammler burgenländischer Volkstänze und Volksschauspiele.

Den Volkstänzen und geistlichen Liedern wandte sich in besonderer Weise Harald Dreo zu, der nach dem Zweiten Weltkrieg neben Karl Gradwohl zum wichtigsten Mitarbeiter des Arbeitsausschusses wurde. Er führte diesen 1972 in den Verein "Burgenländisches Volksliedwerk" über und blieb bis 1995 dessen Vorsitzender. Ihm gelang es auch, das reichhaltige Volksliedarchiv mit fast 16.000 Aufzeichnungen im Burgenländischen Landesarchiv in Eisenstadt zu verorten.

Neben der Sammlung und wissenschaftlichen Edition rückte immer mehr die Kulturvermittlung, also die Förderung des Singens, Tanzens und Musizierens in den Mittelpunkt der Bemühungen des Volksliedwerks. Sepp Gmasz begründete 1982 die "Burgenländische Musikantenwoche" in Bernstein, die 1996 auf die Burg Lockenhaus übersiedelte. Als Lehrbehelf für diese Fortbildungswoche erschienen fünf Bände des "Burgenländischen Notenbiachls" mit insgesamt weit über hundert Tanzmelodien und Bläserweisen. Harald Dreo, Walter Burian und Sepp Gmasz gaben "Ein burgenländisches Volksliederbuch" (Eisenstadt 1988) heraus und von Dreo und Gmasz erschien 1997 der große Sammelband "Burgenländische Volksballaden" (COMPA VII).

Mit der Anstellung einer hauptamtlichen Geschäftsführererin in der Person von Karin Ritter wurde ein neues Kapitel in der Geschichte des Volksliedwerks aufgeschlagen. Durch die Übersiedlung von Eisenstadt nach Oberschützen ins Haus der Volkskultur (2003) konnten Voraussetzungen für einen professionellen Wissenschafts- und Dienstleistungsbetrieb geschaffen werden.

Das Burgenländische Volksliedwerk konzentriert seine Bemühungen heute primär auf kulturelle Basisarbeit (Seminare im Bereich der Kindergarten- und Grundschulpädagogik, Volksmusikklassen, Wirtshaussingen, Musikantenstammtische u.a.), tritt aber auch als Organisator innovativer und exemplarischer Projekte in Erscheinung, wie etwa mit der Ausrichtung der "Volkskulturjahre" 2004 und 2010.

Der langjährige Obmann (seit 1995) Dr. Sepp Gmasz legte seine Funktion 2014 zurück. Als sein Nachfolger wurde Mag. Werner Dax, Rechtsanwalt aus Güssing, bestellt. Dr. Sepp Gmasz wurde zum Ehrenobmann des Burgenländisches Volksliedwerks ernannt.

Ebenfalls 2014 wurde eine neue Mitarbeiterin angestellt. Mag. Martina Frate, eine junge Musikwissenschaftlerin aus Rechnitz, bringt frischen Wind in das Archiv, das lange Zeit im Dornröschenschlaf dahindämmerte. 2016 übernimmt sie das Amt der Geschäftsleitung.